Review: Mark Wonder “Dragon Slayer” (Irie Ites Records)

Donnerstagabend, ich komme aus dem Studio nachhause und brauche etwas Musik. Na, was ist das denn? Da liegt was in meinem Emailaccount… Mark Wonder mit dem Album “Dragon Slayer”

 

Ich drücke auf Play!

Der erste Song läuft an. „Dragon Slayer“, der Titeltrack, ist ein chilliger Anfang. Rasta-Inhalte werden mit einer sehr schönen, souligen Stimme vorgetragen…. Yes I, Mark Wonder, this is catchie! Nice vibrations, einprägsame Stimme, die manchmal an Ephraim Juda erinnert, schöne Percussions und Dubelemente. Klingt interessant und weckt die Lust auf mehr.

Nach dem ersten Song läuft „Celebrating This Life“, bei dem die Backings an Steel Pulse erinnern. Entspannte leicht dubige Melodien, inhaltlich ein Kraftgeber, Hoffnung machender Song. Springdelays auf den Snares und auf den Keys erwecken den Eindruck, King Tubby hätte mit rumgeschraubt. Als nächster Song läuft „Militancy“, ein Rub-A-Dub-Tune. Langsam erahne ich, dass es ein spitzen Abend wird. Die “Forward Offbeats” machen diesen Tune zu einem wirklich starken Stück. Ein Wasser Bubble Sample gibt dem Ganzen eine ganz eigenen Klangcharakter und die ausgiebigen Dub-Parts sorgen für die richtige Tiefe in der Mischung. Nächster Song: „Break Dem Asundah“. Die Hymne des Albums erinnert an so mansche alte Gentleman Tunes, sehr gut eingespielte mehrstimmige Parts. Leichte elektronische Synthis, die eine interessante Würze reinbringen.

Uprising“ wirkt bis zur Mitte leicht gehetzt (Weiß nicht woran das liegt? Das schwächste Lied des Albums für mich), in der zweite Hälfte wird es stimmlich rauchiger und catchiger. „People Need Security“ würde ich schon einen Steppas-Tune nennen. Das Klavier führt und der Song atmet durch seine Pausen, die Hammondorgel spielt gute Hits, die durch die langen Reverbs auf den Stimmen abgerundet wird. Von diesem Song könnte ich mir ein Remix ohne Dub gut vorstellen. Im Hintergrund spielt ein Pfeifen, das an einen Western erinnert – sehr schön produziert. Als nächstes folgt mit „Freedoms Fighters“ ein revolutionärer Song. Ich hätte mir hier mehr Frauen bei den Backings gewünscht, wodurch es klanglich meiner Meinung nach zum stärksten Song des Albums geworden wäre.

Lots Of Raging (Dubwise Version)“ ist ein sehr schöner, kraftvoller Song. Soul und Widerstand kommen zur Geltung und entfalten ihre wahre Kraft durch die Tiefe der Produktion. Die Backings runden den Song richtig schön ab, auch die Bläsersection ist richtig nice. Diesen Song auf einem Soundsystem zu hören ist sicherlich eine Massage für die Seele. „Hol´Yuh Kulchah“, ein Appell an die Ghetto Youths: „hu hu, hu hu haltet fest an eure Kultur“, schon alleine dieser Satz sagt alles, Yes I, unglaublich gute Aussage und  konstruktiver Inhalt. „Iyainghi Rebel“: „I´m a rebel, fighting for a cause“ ist in meinem Augen die zweite Hymne des Albums und mein persönliches Lieblingsstück. Die starken Lyrics, die powervolle Hauptstimme, die gut platzierten, mehrstimmigen Backings, die schön im Panorama platzierte Percussions, die tiefen E-Gitarren-Riffs und die detailliert gesetzten Echos, Reverbs und Delays runden diesen Song so richtig ab. Hier wird die Qualität richtig deutlich, die Mark Wonder, die beteilgten Musiker und die Produzenten mit diesem Werk erreicht haben.

Solomonic Dynasty“ ist ein sehr stabiler Song mit einem Hauch der 90er. Die Bassline ist sehr schön gespielt und durch die Drums wird es zu ein Tune, der stilistisch zwischen Steppas, Roots und New Roots liegt. Die Dub FX zerlaufen über den Mix wie Butter über gegrillte Maiskolben und die selten, aber gezielt in die Länge gezogenen Orgelklänge schaffen eine perfekte Fläche für die Message, die von dem Sänger ausgesendet wird. „True Patriots“ weist als Ausklang des Albums schöne Bläsersätze der starken Posaune auf. Mehrstimmige und in die Länge gezogene Gesangsparts, die in Dub Hits enden, machen den Song zu einem idealen Abschluss für “Dragon Slayer”.

Mein Fazit zu dem Album: Die Musiker haben super zusammen gearbeitet und ich kann nicht sagen, was von der Produktion live eingespielt oder über Over Dubs seinen Platz gefunden hat, aber die Produktion ist eine Bombe und verschafft den Künstler eine unglaublich gute Fläche, die er zu nutzen weiß. Mehrstimmige Parts und einprägsame Hooklines sowie vielfältige Gesangstechniken die von der Brust- bis zur Kopfstimme reichen, mal hart mal sanft, sind beachtlich. Inhaltlich ist es ganz klar ein Rasta-Album mit starken systemkritischen Texten, die zugleich Hoffnung vermitteln. “Dragon Slayer” ist kein Album für Pop-Fans, eher was für die Massive. Und wenn man mich fragt, empfehle ich, das Album über ein gut eingepegeltes Soundsystem mit starken Bässen und subtile Hochtönen  zu genießen. Schönes Musikwerk! So haltet die Augen und Ohren auf, wenn Mark Wonder etwas Neues rausbringt! Das sollte keiner verpassen.

Falko

E-Mail